Manipulationstag 6.4.2019 Balgrist

Das war ein volles Wochenende für die Chiropraktoren der UZH. Einige wühlten sich am 7.4. am Ultraschallkurs der YoungSonographers durch die verschiedenen Gewebsschichten. 16 Studenten fanden sich am 6.4. aber zum Manipulationstag ein.
Es ging darum den Studenten erste Eindrücke vom Manipulieren von Gelenken zu geben. Was umgangssprachlich oft als „knochenknacken“ bezeichnet wird, will gelernt sein. Druck und Geschwindigkeit müssen lange trainiert werden und so mancher Student hat davor sicher einigen Respekt. Da Studenten der höheren Semester dies regelmässig im Unterricht schulen, war der Kurs vor allem von Interessierten aus dem 1. und 2. Studienjahr besucht. Da es sich aber nicht um einen geschlossenen Chiropraktorenanlass handelte, mischten sich auch ein paar Allgemeinmediziner unter die Teilnehmer.

Der Kurs wurde dieses Jahr von Michael Renfer geleitet. Er leitet die Praxis Integri in Thun (https://www.integri.ch/chiropraktik-massage-thun/team) und bietet auch dort angehenden Chiropraktoren immer wieder Möglichkeiten für einen Einstieg ins Arbeitsleben. Mit viel Enthusiasmus brachte er uns die Geschichte der Chiropraktik näher, erklärte seine Einstellung zur Behandlung und Patienten und teilte einige seiner Erfahrungen aus mehreren Praxisjahren in Südamerika und Schweiz.
Auch gab er Antwort auf viele Fragen. Was ist der Unterschied zur Osteopathie? Und was macht ein Chiropraktor bei einem Bandscheibenvorfall eigentlich um eine OP möglichst zu vermeiden? Und wie genau funktioniert die Verrechnung von Leistungen bei einem Chiropraktiker im Vergleich zum Hausarzt?

Aber natürlich ging es vor allem um Hands-On. An jedem Behandlungstisch wurden Unregelmässigkeiten in der HWS/BWS eines Studenten gesucht. Nach kurzer Kontrolle durfte dann versucht werden das spezifische Segment zu lösen. Für viele war es sowohl das erste mal auf der Behandlungsliege als auch als Behandler. Entsprechend viele Anläufe mussten teilweise genommen werden. Druck aufbauen, und dann im richtigen Moment vor allem mit Geschwindigkeit arbeiten. Es wurden bei jedem mehrere Haltungsvarianten am Behandlungstisch gezeigt, verschiedene Versionen den richtigen Druckpunkt mit der Hand zu setzen. Ausserdem wurde viel mit dem Thompson-Drop geübt.
Am Ende hatte fast jeder sein Erfolgserlebnis und konnte etwas lösen. Keine schlechte Quote wenn man bedeckt wie viel Zeit man noch hat dies zu üben. Entsprechend zufrieden waren die Gesichter.

Weil das ganze auch einige körperliche Arbeit fordert, gab es natürlich noch ein Apero.

Ein toller Rahmen um vorsichtig an etwas herangeführt zu werden, was einer der Dreh- und Angelpunkte des späteren Berufslebens sein wird.

 

Ultraschallkurs YoungSonographers, 07.04.19 Klinik Hirslanden Zürich

Im Rahmen der YoungSonographers hatten die Chirostudierenden am Sonntag die Möglichkeit, ihre Bewegungsapparatexpertise um eine diagnostische Dimension zu erweitern. Acht kurzentschlossene und motivierte Chiros wurden während zwei Stunden zusammen mit anderen Medizinstudierenden in der Anwendung und Diagnostik des muskuloskelettalen Ultraschalls geschult. Anhand von Knie und Handgelenk wurden von einem Rheumatologen die wichtigsten sichtbaren Strukturen, die relevanten klinischen Fragestellungen für einen Ultraschall am Bewegungsapparat sowie mögliche Befunde erläutert.

Anschliessend war «hands on» angesagt – mit viel Enthusiasmus und Gel wurden Medianusnerven verfolgt, Menisken verglichen  und Gelenksergüsse gesucht – dies dank der Unterstützung der Tutorinnen und Tutoren bereits relativ erfolgreich. Ein spannender Einblick, welcher die Relevanz des Ultraschalls im Rahmen der muskuloskelettalen Diagnostik hervorgehoben hat.

epic Berlin 20.-23.03.19

Vom 20.-23. März fand der kombinierte weltweite und europäische Chiropraktik-Kongress in Berlin statt, an welchem auch Studierende teilnehmen konnten. Mit fünf Studentinnen war die Chiropraktik der Universität Zürich ebenfalls vertreten, nebst 921 Chiropraktorinnen und Chiropraktoren aus 52 Nationen.
Einen eindrücklichen Aftermovie vom YouTube Kanal von The Evidence Based Chiropractor gibts hier: https://www.youtube.com/watch?v=vf2UxHI341s

epic – evidence-based, patient-centered, interprofessional, collaborative – diese vier zentralen Aspekte der Chiropraktik bildeten den roten Faden der folgenden Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops – dazu einige Highlights:

  • Jan Hartvigsen, head of research der University of Southern Denmark und einer der meist publizierten Chiropraktoren, präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse, darunter die bahnbrechende «Low Pack Pain Series» im Lancet aus 2018. Deren Ergebnisse sprechen deutlich für den nicht-medikamentösen und nicht-operativen Therapieansatz und bedeuten für die Chiropraktik grossartige globale Möglichkeiten
  • Workshop zur kreativen Behandlung von Extremitäten mit Hilfsmitteln wie dem «Activator» oder dem «Speeder Board»
  • Podiumsdiskussion zum zukünftigen Gebrauch von Röntgenbildern in der Chiropraktik – mit der Tendenz weg von routinemässigem Röntgen hin zu spezifischer Bildgebung bei gegebener Indikation
  • Aktuellster Stand der Klinik und Forschung bezüglich Vertebralisdissektion
  • Workshop zur chiropraktischen Behandlung von Neugeborenen, beispielsweise der Korrektur angeborener Schädeldeformitäten
  • Verleihung der internationalen Research Awards der Chiropraktik

Nicht vergessen werden dürfen die Pausengespräche. Interessant mitzubekommen, wie unterschiedlich die Chiropraktik je nach Land aufgestellt ist und welche Herausforderungen teilweise noch zu meistern sind. Verglichen dazu wurde einmal mehr klar, wie fundamental die Chiropraktik ins Schweizer Gesundheitssystem eingegliedert ist und welch hohen Ausbildungsstandard man als Studierende der Chiropraktik in der Schweiz, als Bestandteil der medizinischen Fakultät, geniesst.

Apropos geniessen: Trotz dicht gepacktem Kongressprogramm kam die geschichtsträchtige und pulsierende Seite Berlins nicht zu kurz, weshalb ein Kongressbesuch in jeglicher Hinsicht wärmstens zu empfehlen ist.